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Altertümer
 
 

Die Prähistorischen Perioden reichen in Amerika ungleich näher an die Gegenwart heran als in der Östlichen Hemisphäre. Menschliche Reste vereint mit solchen ausgestorbener Tiere wurden in den Höhlen der Provinz Minas Geraes in Brasilien, Reste menschlicher Tätigkeit mit den Knochen diluvialer Tierformen in Missouri, Iowa, Nebraska und Kalifornien nachgewiesen. Steinäxte und Lanzenspitzen sind ferner in Mexiko in quartären Ablagerungen mit Knochenteilen des Elephas Colombi gefunden. Am Rio de la Plata in den Pampassablagerungen Argentiniens wurde die gleichzeitige Existenz des Menschen und jetzt ausgestorbener Tierformen erwiesen. Zahlreiche prähistorische Muschelhaufen wurden längs der Küsten des atlantischen Ozeans und des Golfs von Mexiko, an der pazifischen Küste Nordamerikas, vermischt mit Knochenwerkzeugen, steinernen Pfeilspitzen, Steinhämmern und menschlichen Knochen, in Nicaragua, im Mündungsgebiet des Orinoko, in Guyana, namentlich aber in Brasilien (Gambaqui) sowie an den Ufern der größeren Flussläufe und Binnenseen gefunden.

Sehr charakteristisch sind die Mounds, meist regelmäßig angelegte, aus Steinen und Erdreich errichtete Wälle oder Hügel die halb unregelmäßig zerstreut, halb reihenweise geordnet auftreten und eine Höhe von wenigen Zentimetern bis zu 30, in einzelnen Fällen sogar bis nahezu 100 m, bei einem Durchmesser bis zu 300 m besitzen. Ihre Hauptverbreitung finden die Mounds in den Tälern des Mississippi, Missouri und Ohio bis hinab zu den Golfstaaten. In Ohio zählt man noch jetzt 10.000 Hügel und 1500 ringförmig erbaute Erdwälle. In dem Granzgebiet von Iowa und Illinois befinden sich, ganz abgelegen von den Ringwällen, mehr als 2500 Mounds.
Nach Squier und Davis unterscheidet man:

  1. Verteidigungswerke, aus Erde und Steinen erbaut und aus Wällen und Gräben, vorgeschobenen Werken, Kasematten und unterirdischen Gängen bestehend. Sie finden sich namentlich an der Vereinigungsstelle zweier Stromläufe. St. Louis, New Madrid, Cincinnati sind an der Stelle solcher alten Befestigungen erbaut. Diese Ringwälle besitzen oft eine Ausdehnung von mehreren Meilen und erreichen eine Höhe von mehr als 200 m.
  2. Tempelringe, Erdwälle, in Talgründen und am Fuß von Hügeln und Bergen, repräsentieren teils Dorfumfriedungen, teils geheiligte Bezirke, Versammlungsorte des Volkes zu religiösen Zwecken. Sie umfassen nicht selten ein Areal von nahezu 40 Hektar und sind von hohen Erdaufwürfen oder Achtecken umgeben.
  3. So genannte Tempelhügel, die den hohen Unterbau für die Wohnung des Häuptlings oder für das Gemeindehaus darstellten, erheben sich zuweilen in Stufen oder Terrassen, und normalerweise führt eine Rampe auf ihren Gipfel. Diese Hügel von denen einige einen Umkreis von 300 m und eine Höhe bis zu 100 m besitzen und auf ihrem Gipfel eine Plattform zeigen, finden sich namentlich in Ohio, Kentucky, Missouri, Tennesse.
  4. Die Opferhügel umschließen aus Steinplatten oder Ton errichteten kleine oder große altarähnliche Bauten. Ebenso wie in ihrer Nähe gefundenen Pfeilspitzen, Äxte, Pfeifen, Schmuckgegenstände, Geschirr, Knochennadeln und dgl. Zeigen sie die deutlichen Spuren der Einwirkung des Feuers, und vielleicht wurde hier der gefangene Feind gemordet und verbrannt.
  5. Grabhügel besitzen die Form unserer Hünengräber. Man findet die Reste der Leichen mit und ohne Totengabe, n liegender, gekrümmter oder hockender Lage, mit Steinen, Baumrinde oder Erdreich überdeckt, nicht selten in aus Baumstämmen gezimmerten und vielfach auch in aus Steinen ausgesetzten Grabkammern beigesetzt. Für den Brauch der Leichenverbrennung liegen mehrfach Beweise vor sowie für eine andere noch heute von verschiedenen Indianerstämmen geübte Sitte, die Gebeine der Toten, nachdem sie von den Fleischteilen befreit und gereinigt worden sind, in Massengräbern beizusetzen. Als Beigaben dienten Gefäße, steinerne Pfeifen, Pfeilspitzen, Messer und sonstige Gerätschaften und Waffen sowie Schmucksachen aus Muschelschale oder Kupfer. Die einzelnen Hügel umschließen zuweilen 500 und mehr Skelette.
  6. Hügel in Tierform ragen oft nur wenige Zentimeter, selten mehr als 2 m über die Umgebung hervor und ahmen, aus erdumworfenen Steinmassen erbaut, die Gestalt von Tieren oder Menschen nach. Sie finden sich namentlich in Iowa, Ohio, Illinois, Missouri, Indiana, vor allem aber in Wisconsin.

Während man früher diese Bauten einem besonderen „Moundbuildervolk“ zuschrieb, weiß man jetzt, dass ausschließlich die Vorfahren der Indianerstämme, die zur Zeit der Entdeckung in diesen oder in benachbarten Gegenden wohnend angetroffen wurden, die Mounds errichtet haben können. Einer der hervorragendsten „Moundbuilderstämme“ waren die Cherokee, die zur Zeit der Entdeckung  zu beiden Seiten der Alleghanis in Westvirginia und Nordcarolina wohnten, die aber in vorhistorischer Zeit auch die Täler des Ohio und seiner Zuflüsse bevölkert zu haben scheinen.

Unter den Artefakten, die in den Mounds gefunden wurden, sind zunächst vielfach kunstvoll gestaltete Krüge und Faschen, mit Hälsen versehen Gefäße, Henkeltöpfe, Schüsseln und Becken, Trinkbecher, nicht selten mit kunstvoller Ornamentik aus Sand oder Muschelsplittern vermischten und verschieden gefärbten Ton hervorzuheben. Daneben finden sich Pfeifenköpfe, die Gestalt der verschiedenen Tiere nachahmend, aus Ton gebrannt oder aus Schiefer, Speckstein, Marmor, Porphyr geschnitten. Von Metallen scheinen die Hügelbauer im wesentlichen nur Kupfer und Silber, und zwar letzteres nur in Form von dünnen Blättchen zur Plattierung des Kupfers, bearbeitet zu haben. Man hat Messer, Äxte, Meißel, Pfeil- und Lanzenspitzen von Kupfer, zum Teil von vortrefflicher Arbeit, gefunden; daneben allerlei Schmucksachen. Steinerne Waffen, Pfeilspitzen, Speerspitzen, Messer und Äxte finden sich neben Gerätschaften aus Zähnen, Knochen, Muscheln sowie Schmuckgegenstände aus Steinen, Holz, Knochen und Muschelschale. Grob gewebte Stoffe, Bastgewebe, aus Tierhaaren verfestigte Stoffe sowie zusammengenähte Leder scheinen zur Bekleidung gedient zu haben. Im großen und Ganzen erscheint diese alte Kultur zwar der der heutigen Indianerstämme überlegen, aber in seiner Weise höher oder anders als diejenige, welche die Indianerstämme dieser Gegenden zur Zeit der Entdeckung auswiesen.

In den plateauförmigen Gebirgserhebungen von Colorado, New Mexico, Arizona und den angrenzenden Teilen der Republik Mexiko, inmitten eines jetzt von Wüsten und Steppen eingenommenen Gebietes fand man an zahlreichen Stellen umfangreiche, aus Stein erbaute Stadtansiedelungen vor, zusammengesetzt aus mehrere Stockwerke hohen, geräumigen Häusern, die alle Anzeichen eines hohen Alters an sich trugen, Holmes unterscheidet unter diesen „Pueblos“:

  1. die Lowlands aber eigentlichen Pueblos, in mathematisch Regelmäßigen Formen aus zugehauenen Steinen oder aus Luftziegeln erbaut, vorwiegend in Flussniederungen, doch auch auf schwer zugänglichen Höhen der Sandsteinplateaus.
  2.  Die Cave-dwellings oder Höhlenbauten, natürliche Höhlungen an steil abstürzenden Tafelhängen, deren Zugang durch Steinmauern verschlossen wurde mit Auslassung nur einer Öffnung, die gleichzeitig als Tür und Fenster diente.
  3. Die Cliff-dwellings oder Riffhäuser, befestigte Plätze an schwer zugänglichen Abstürzen in natürlichen, durch Menschenhand aber später erweiterten Höhlungen angelegt. Nicht selten finden sich in jenen Gebieten auch aufrechte Steinkreise nach art unserer Gromlechs sowie einzelnen stehende, meist Runde Türme, offenbar als Wachtürme am Eingang der Canons und auf isolierten Felsspitzen. In den Pueblos fand man tönerne, nicht selten bemalte und erhabenen Verzierungen sowie mit Figuren von Menschen und Tieren (namentlich Vögeln, speziell der Eule) versehene Geschirre, polierte Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen aus Feuersteinen, Mahlsteine zum zerquetschen des Mais, ferner Schmuckgegenstände, wie Perlen, Muscheln, Amulette aus Stein und von metallenen Gegenständen haben sich ausschließlich einige Kupferringe vorgefunden. Als Hinterlassenschaften der alten Bewohner dieser Gegend sind die zahlreichen Felsmalereien und Skulpturen anzusehen, die in Form von Menschen und Tieren die Felswände oder isolierten Steinblöcke bedecken.

Eine ungleich höhere Entwicklung hatten die Stämme erreicht, welche die Hochflächen Zentral- und Südamerikas und die Täler und Küstenstriche an ihrem Fuße bewohnten. Man kann 3-4 große Kulturkreise unterscheiden, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben und nur an den Grenzen hier und da miteinander in Berührung getreten sind; das sind der mexikanische, der von den zentralen Hochflächen Mexikos bis hinab zu den Seen von Nicaragua reicht; der nordkolumbische, der bis in den Golf von Darien gelegenen Länder umfasst; der Kulturkreis der Tschibtscha des Hochlandes von Bogota und der peruanische, der von der Nordgrenze des heutigen Ecuador bis zum Rio Maule in Chile und der Gegend von Salta in Argentinien sich erstreckt. Als besonderes Kulturgebiet, das aber wiederum einen weit tieferen Stand repräsentiert, ist endlich noch der weite Osten von Südamerika zu nennen, zu dem auch die alte Bevölkerung der großen und kleinen Antillen gehört.

Innerhalb des mexikanischen Kulturkreises nehmen die nördlich und westlich des eigentlichen Hochtales von Mexiko gelegenen Landschaften der Huaxteca und Mechoacans eine besondere Stellung ein. Von minder hoch entwickelten Völkerschaften in alter Zeit bewohnt, entbehren sie der großen Monumentalbauten. Gruppen von kleinen, aus Erreich und Steinen aufgeführten Pyramiden (in Mechoacan Yacata, in der Huaxteca nach einem hispanisierten Mayawort Guecillo genannt) bezeichnen die Orte der alten Ansiedelungen. Figuren aus Stein werden hier gefunden, von steifer Haltung, aber vortrefflich in der technischen Ausführung, Bruchstücke von Mahlsteinen, Tongefäße von zierlichen Formen, häufig bunt bemalt, Tonfigürchen oft von sehr lebendigen Ausdruck, tönerne Spinnwirtel u.a.m. Die eigentliche mexikanische Kultur hatte ihr Zentrum in den Tälern und Hochflächen, die um die beiden großen Schneeberge Popocatepetl und Iztaccihuatl gelagert sind. Hier sind vor allem berühmt die beiden Orte, die schon zur Zeit der Eroberung Mexikos durch die Spanier verlassen waren: Tollan und Teotihuacan. Um ersteren Ort ist noch der alte Burghügel zu sehen, mit den Fundamenten der alten Wohnungen, frenelierten Straßen und Terrassen bedeckt. Steinbilder von archäischem Typus sind dort gefunden worden, zum Teil von gewaltigen Dimensionen, Tongeschirr, Obsidianmesser u. a. m. In der Ebene der Teotihuacan stehen noch heute die beiden Pyramiden, aus Erdreich und Luftziegeln und zwischengelagerten Mörtelschichten aufgebaut; dazwischen in zwei regelmäßigen Reihen die Reste der alten Wohnungen, in denen man schön mit Stuck belegte, mit bunten Malereien bedeckte Wände aufgedeckt hat. Steinbilder von anderen, aber ebenfalls unzweifelhaft archäischem Typus sind mehrfach gefunden worden, und die ganze Ebene ringsum ist übersät mit Topfscherben und kleinen Tontöpfchen von äußerst lebendigen und charakteristischem Ausdruck. Die großen Tempelpyramiden der Hauptstadt Mexiko sind längst dem Erdboden gleich gemacht, aber in Cholula, unweit Puebla, ragt noch eine gewaltige Pyramide, die in ähnlicher Weise wie die von Teotihuacan aus Luftziegeln mit zwischengelagerten Mörtelschichten aufgebaut ist. Und südlich von Guernavaca liegt auf ragender Berghöhe die prächtige Pyramide von Hochicalco, die in zwei Reihen aufsteigend, zu deren zweiter auf der Westseite eine breite Treppe steil hinaufführt. Die Wände der beiden Terrassen sind mit gewaltigen Quadern belegt, die sorgfältig geglättet und ganz mit Skulpturen, in schönem, energischem Stil ausgeführt, bedeckt sind. Von anderen Monumenten sind vor allem die beiden gewaltigen, mit dem Bilde der Sonne geschmückten Steine zu nennen, die Ende des 18. Jahrhunderts unter dem Pflaster der Hauptstadt Mexiko vergraben aufgefunden wurden. Ferner das riesige Steinbild der so genannten Teohaomiqui. Außerdem weisen die mexikanischen Altertumssammlungen Bildsäulen, kleinere steinerne Idole, steinerne mit Skulpturen bedeckte Gefäße, steinerne, sorgfältig polierte Masken, Tongeschirr der verschiedenen Art, Tonfiguren, Lippe- und Ohrpflöcke, Pfeilspitzen und Messer aus Obsidian, tönerne, mit Reliefmustern bedeckte Spinnwirtel, Tonflöten, Räucherlöffel u. a. m. auf. Metallgegenstände sind selten, den di schneidenden Werkzeuge lieferte der Obsidian, und die goldenen Schmuckgegenstände, die in Mengen nd höchst kunstvoller Ausführung vorhanden waren, sind der Beutegier der erobernden Spanier zum Opfer gefallen. Als große Seltenheiten werden in den Museen einzelne holzgeschnitzte Gegenstände (Pauken, Wurfbretter), in Türkismosaik ausgeführten Masten und andere Gegenstände und Federarbeiten (mantelartige Streifen, Rundschilde und standartenartige Gebilde) aufwebahrt. Auch von den in aller Zeit in Mengen vorhandenen Bilderschriften, bunten Malereien auf Agavepapier, ist nur weniges der Zerstörung entgangen.

Ein Ausfluss der mexikanischen Kultur, oder unmittelbar von ihr beeinflusst, sind auch die Denkmäler, die sich am Ostabhang des Hochplateaus und in den ebenen Strichen längs der Golfküste finden. Doch war hier neben dem mexikanischen noch ein besonderes, von dem mexikanischen Verschiedenes Volkselement vorhanden, und diesem scheinen unter anderem die großartigen Bauten von Papantla anzugehören. Gesonderte, obwohl mit der mexikanischen in Wechselwirkung stehende Kulturen waren ferner die der Zapoteken im Staat Dajaca und die der Mayastämme von Chiapas, Yucatan und Guatemala. Der ersten gehören die Paläste von Mitla an, aus schmalen, koridorartigen Räumen bestehend und um quadratische Höfe gelagert, deren Außen- und Innenwände geometrische Muster schmücken, die in sehr eigentümlicher Weise in einem reliefartig vorspringenden Steinmosaik ausgeführt sind. Eigentümliche Festungsanlagen sind auf verschiedenen Berghöhen zu sehen. Tönerne Gefäße, die meist als Grabbeigaben gefunden werden, stellen stehende oder sitzende Figuren, mit reichem Schmuck beladen, dar. Auch goldene und silberne Schmuckgegenstände sind dort mehrfach in Gräbern gefunden worden.

Die Bauten der Mayastämme zeichnen sich durch die Großartigkeit ihrer Anlage und die Massenhaftigkeit ihres Vorkommens aus. Berühmt sind in Chiapas die Ruinen von Palenque und Ococingo, in Yucatan, Urmal, Kabah, Ake, Izamal, Chichenitza u. a., in Guatemala Darchilan, Ouirigua, in Honduras Copan. Verschiedene von diesen waren zur Zeit der Eroberung schon verlassen und in Ruinen. Der Charakter der Architektur ist im allgemeinen derselbe wie der der mexikanischen: Riesenpyramiden und schmale, hallenartige, ungewölbte Räume. Aber die Denkmäler der Maya fallen, sowohl was die Ornamentation der Wände wie die figürlichen Vorstellungen betrifft, durch Überladenheit und einen gewissen schnörkelhaften Zug auf. Außerdem machten die Maya von ihren Hieroglyphen, die Kahlkuliform, auf einen einheitlichen Raum zusammengedrängte, zu Lettern abbrevierte Bilder sind, bei der Ornamentation von Wandflächen ausgedehnten Gebrauch. Die seramischen Erzeugnisse übertreffen die der Mexikaner in der Feinheit der Ausführung und zum Teil auch in der Lebendigkeit der Auffassung. Metallene Werkzeuge sind ebenso selten wie in Mexiko. Kunstvoll geschlagene Feuersteine und Muschelschalensplitter ersetzten sie. Maya Handschriften sind vorhanden. Die schönste besitzt die königliche Bibliothek zu Dresden.

Einen besonderen Charakter tragen die großen Steindenkmäler von Santa Lucia Cozumahualpa in Guatemala, die das Berliner Museum erworben hat. Sie wurden wohl von einem Zweig der mexikanischen Nation geschaffen. Einem versprengten, weit nach Süden vorgeschobenen Zweige der Mexikaner endlich gehören die großen Steinbilder auf den Inseln und an den Ufern des Sees von Nicaragua an. Sie sind sauber ausgeführt und von riesigen Dimensionen, aber an künstlerischen Werte nicht entfernt mit dem zu vergleichen, was ihre Brüder im Norden geschaffen haben.

Der nordkolumbische Kulturkreis umfasst die Landflächen von Costa Rica bis zum Magdalenenstrom in Kolumbien. Gegenstände aus Stein, Terrakotta, Kupfer und Gold werden hier gefunden, und die Fülle der letzteren hat in alter Zeit dieser Künste den Namen gegeben (Castilla del Oro). Charakteristisch für die Altertümer dieser Gegend ist die häufige Verwendung der Tiergestalt. Die großen Mahlsteine sind in Gestalt eines Jaguars gefertigt, der die Reibfläche auf seinem Rücken trägt; die Tongefäße imitieren teils eine Tiergestalt, oder es sind die drei Füße des Gefäßes in Gestalt eines Tieres oder eines Tieropfers abgebildet, oder es sind auf der Wölbung in Malerei allerhand Tiergestalten (Jaguare, Frösche, Alligatoren) dargestellt. Die goldenen Schmucksachen sind fast ausnahmslos in Gestalt eines Tieres (Adler, Jaguar, Alligator, Frosch) oder eines Menschen mit Tierkopf angefertigt. Eine besonders reiche Fundstelle sind die Gräber der Landschaft Chiriqui gewesen. Demselben Kulturkreis scheinen auch die Gräber von Antioquia und des Caucatales anzugehören.

Einen verhältnismäßig hohen Stand der Entwicklung hatten die Tschibtscha des Hochlandes von Bogota erreicht. Doch mangelt es auch bei ihnen an monumentalen Werken. Die Häuser waren aus Lehm und Holz erbaut, mit kegelförmigem Strohdach, die Tempel vermutlich wenig besser, nur dass das Dach von Steinpfeilern getragen wurde. Zahlreiches Tongeschirr ist aus den Gräbern der Tschibtscha zu Tage gefördert worden: groteske Menschenfiguren, nicht selten mit einem goldenen Halbmond in der Nase, viereckige Schalen mit einem Gesicht fein bemalte Tonflaschen. Besonders charakteristisch sind die Goldschmucksachen der Tschibtscha, aus Goldblech gefertigt, in Form von menschlichen, am häufigsten weiblichen Figuren deren Konturen, Arme, Beine, Augen und Lippen, wieder durch Aufgelöteten Golddraht hergestellt sind. Kleine Steine mit allerhand Tierfiguren in Hauptrelief, früher für Kalendersteine gehalten, sind Schlagsteine oder Matrizen, über denen das Goldblech zu bestimmten Tierformen ausgehämmert wurde. Mit solchen halberhabenen Goldblechfigürchen wurden vermutlich die Kleidersäume besetzt.

Der peruanische Kulturkreis umfasst wiederum eine Anzahl ihrer zeitlichen Entstehung und ihrer ethnischen Zugehörigkeit nach verschiedenen Kulturen, die aber durch die von der Inkadynastie begründete Herrschaft in engste Wechselbeziehung zueinander gebracht worden sind. Zu den ältesten Denkmälern gehören die von Tiahuanaco unweit des Titicacasees, die in der Blütezeit der Inkaherrschaft längst verlassen waren. Es sind torartige Bauten, von Steineinzäunungen umgebene hofartige Räume, Steinfiguren und Steinplatten unbekannter Bedeutung, letztere, gleich den Innenseiten der Wände, vielfach mit Nischen und fensterartigen Vertiefungen versehen. Berühmt ist vor allem die 3,72 m breite, 2,36 m aus der Erde aufragende monolithische Pforte, auf der Vorderseite mit Skulpturen bedeckt. Eine Gottheit ist darauf zu sehen, deren Gesicht von einem Strahlenkranz umgeben ist, und Reihen geflügelter menschen- und kondorköpfiger Genien. Die Gottheiten halten Stäbe (Strahlen) in der Hand, die in Kondorköpfe enden. Die Pforte ist wahrscheinlich in Folge eines Erdbebens in zwei Stücke zerbrochen. Auch die Bauten der Inka in Cuzco und anderwärts zeichnen sich durch eine große Sorgfalt der Bearbeitung und eine gewisse Großartigkeit aus. Die Mauern sind zum Teil ohne Mörtel aus passend zugehaunen und miteinander verzapften Steinquadern so sorgfältig ausgeführt, das kaum eine fuge sichtbar ist, teils aus Blöcken unregelmäßiger Gestalt, die durch einen tonigen Mörtel verbunden sind. In letzterem Fall sind Außen- oder Innenwände häufig mit Stuck bedeckt. Da die Peruaner den Gewölbebau nicht kannten, so haben wir auch hier nur schmale Gemächer. Häufig sind die Gebäude durch eine Wand in ihrer ganzen Länge geteilt, indem die Räume sich in Höfe öffnen, die rechts und links des ganzen Gebäudes sich hinziehen. Charakteristisch sind die pyramidal nach oben sich verjüngenden Tür- und Fensteröffnungen und die Ornamentation der Innenwände mit Nischen. Von den Industrieerzeugnissen der alten Peruaner zeigen die Tonwaren hohe technische Vollendung, bekunden in der Nachahmung natürlicher Formen eine große Schärfe der Auffassung und besitzen je nach der Lokalität eine geradezu unglaubliche Mannigfaltigkeit von Formen und Verzierungen. Für das von den Quichua (den eigentlichen Inkaperuanern) bewohnte Hochland sind charakteristisch die fein bemalten, oft riesigen Chicha (Bier) Krüge. Das von anderssprachigen Stämmen bewohnte Küstenland liefert dagegen die Gesichtskrüge, die Gefäße in Tier- und Menschengestalt (schlafender Indianer), die Doppelflaschen (sifladores) und die fein mit ganzen szenischen Darstellungen bemalten Henkelflaschen. Groß waren die Peruaner auch in der Metallverarbeitung: kupferne und bronzene Äxte und Morgensterne, goldene und silberne Trinkbecher (letztere ebenfalls häufig in der Form eines menschlichen Gesichts), große Gewandnadeln und Schmuckgegenstände der verschiedensten Art. Geradezu staunenerregend aber ist es, was die alten Peruaner in der Webetechnik in der Herstellung von Gewändern, Binden und Schnüren der verschiedenen Art aus der Wolle ihrer Lamas und aus Baumwolle geleistet haben. Dem glücklichen Umstande, dass es an der Küste von Peru nicht regnet, ist es zu verdanke, dass die ganze Pracht dieser Erzeugnisse sich erhalten hat. Auf dem Totenfeld von Ancon bei Lima fanden Reiß und Stübel neben den in Gewänder gehüllten und mit Stricken umschnürten Mumien, denen häufig ein falscher Kopf aufgesetzt ist, der dem ganzen „Mumienballen“ das Ansehen einer kauernden Figur gibt, die ganzen Haus- und Arbeitsgeräte der Begrabenen, Kleidungsstücke, Amulette, Waffen, ganze Körbchen mit Spinn- und Webegerätschaften, Schmuckgegenstände (die großen Ohrpflöcke in durchbrochener Arbeit aus Ton, Holz oder Kupfer hergestellt), Spielsachen, Mumien von Haustieren, Nahrungsmittel, die tausendfältigen Erzeugnisse einer eigenartigen und hoch entwickelten Kultur. Von den jetzt ausgestorbenen alten Bewohnern der Großen und kleinen Antillen sind schön gearbeitet Steingegenstände, Äxte, Mühlsteine und Gegenstände unbekannten Gebrauchs bekannt geworden.